Allg. Zeitung Mainz: Eigentore – Kommentar Reinhard Breidenbach zu Özil, Gündogan und Erdogan

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Allgemeine Zeitung Mainz

Mainz (ots) – Banal gesprochen: zwei lupenreine Eigentore, die
sich die Nationalspieler Özil und Gündogan ins Nest, beziehungsweise
Netz gelegt haben, als sie mit Erdogan posierten. Auf dem Platz würde
man sie fragen: Habt ihr einen an der Klatsche? Verdammt ärgerlich,
die Sache, durchaus bitter. Das kann es dann aber auch getrost
gewesen sein mit verbalen Abwehrgrätschen gegen die beiden. Sie aus
der Nationalelf ausschließen? Absurd! Sie auffordern, die deutsche
Staatsbürgerschaft loszuwerden? Das würde an schlimmste
Debattentiefen der 1970er Jahre anknüpfen. „Dann geht doch rüber“ –
gemeint war die DDR. Das bekamen junge Protestler leider allzu oft
von deutschen Spießbürgern zu hören. Festzuhalten bleibt: Ja,
Nationalspieler sollten Vorbilder sein, und es gibt kaum etwas
Politischeres außerhalb der Politik als internationalen Sport. Und,
ja: Erdogan ist kein Demokrat, sondern ein Despot. Insofern ist es
extrem bedauerlich, ärgerlich und gerne auch Zorn erregend, wenn ihn
zwei deutsche Nationalspieler offensichtlich gut finden. Aber
letztlich müssen sie das tun dürfen. Denn es gilt das deutsche
Grundgesetz, und die Meinungsfreiheit geht auch dahin, wo’s wehtut.
Und dass dem so ist, ist gerade deshalb ganz besonders wichtig, weil
Leute wie Erdogan Menschenrechte mit Füßen treten. Es macht die Sache
zwar nicht besser, aber: Eigentore schießen derzeit auch ganz andere.
Wenn deutsche Politiker und der Präsident des DFB Özil und Gündogan
angehen, müssen sie sich sagen lassen: Euer freundliches Verhalten
gegenüber China und den WM-Ausrichtern Russland und Katar ist alles
andere als vorbildlich.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Peter Schneider
Newsmanager
Telefon: 06131/485980
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