neues deutschland: Erinnern nach 30 Jahren: Eine Generation weiter gedacht – ein Kommentar

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Berlin (ots) – 30 Jahre nach dem Herbst 1989 sind Erinnerungen an
und Reflexionen über diese dramatischen Tage in Ostdeutschland nicht
zu übersehen und zu überhören. Ausstellungen allerorten, Filme und
Interviews in Radio und Fernsehen. Eine liegt buchstäblich zu Füßen,
Tausende gehen täglich über sie hinweg. In der Prager Straße in
Dresden eingelassen sind die Namen der »Gruppe der 20« vom 8. Oktober
1989 – als es von der Volkspolizei keine Gewalt oder Festnahmen gegen
eingekesselte Demonstranten gab. Am selben Ort war es vier Tage
vorher zu heftigsten Auseinandersetzungen und Festnahmen gekommen,
als viele versuchten, die Botschaftszüge aus Prag am Hauptbahnhof zu
erreichen. Die Verhafteten berichteten von Misshandlungen, auch noch
jene vom 7. Oktober in Berlin. Und doch waren die Demonstrationen
durch Gewalt nicht mehr aufzuhalten – auch weil sie gewaltfrei
abliefen. Wie am 9. Oktober in Leipzig. Eine gewaltlose Revolution –
sie war dann möglich, weil sich die Beteiligten auf beiden Seiten auf
sie einließen. Weil sie am Ende Gewaltlosigkeit über Macht stellten.
1989 – je weiter das Jahr wegrückt, desto verblasster oder gefärbter
werden Erinnerungen. Eine Erzählung, die »Kindern und Enkeln der
Wende« gerne erzählt werden darf, ist die von der Regierung, die sich
die Macht friedlich aus der Hand nehmen ließ. Ohne eine »chinesische
Lösung«. Und ohne einen Prager August 1968 auf Dresdens Prager Straße
im Oktober 1989.

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