NOZ: Michael Patrick Kelly: Schloss Gymnich war dekadent und ein goldener Käfig

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Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrück (ots) – Michael Patrick Kelly: Schloss Gymnich war
dekadent und ein goldener Käfig

Drittjüngstes Mitglied der Kelly Family führte im Kloster die
Mülltrennung ein

Osnabrück. Der Traum von vielen, in einem Schloss zu wohnen, war
für das drittjüngste Mitglied der Kelly Family, die von 1998 bis 2002
auf einem Schloss im Rheinland lebte, ein Albtraum. „Schloss Gymnich
wurde für mich irgendwann zu einem goldenen Käfig. Es war mir viel zu
groß. Und, wie ich zugeben muss, dekadent“, sagte Michael Patrick
Kelly in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung (Samstag).
„Ich habe dort nicht gern gelebt. Anfangs fühlte man sich
geschmeichelt, eine eigene Suite zu bewohnen. Das Schloss war ja das
ehemalige Staatsgästehaus der Bundesrepublik. Ich bewohnte die
Karl-Gustav-Suite, benannt nach dem König von Schweden. Man fühlt
sich halt auch wie ein König darin, aber es war definitiv eine Nummer
zu groß.“

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Besser gefiel Kelly das Leben auf dem Wasser: „Das Hausboot war
super. Ich hatte eine eigene Koje, das war sozusagen mein erstes
eigenes Zimmer. Dieser Lebensstil in Amsterdam auf dem Hausboot war
cool. Die Nachbarn wohnten auch auf Booten, es war abenteuerlich.
Manchmal ging es auch mit dem Schiff raus aufs Meer, das hat richtig
Spaß gemacht.“

Die größte Umstellung erlebte Kelly allerdings 2004, als er für
sechs Jahre ins Kloster ging. „Allein jeden Morgen um 6 Uhr morgens
aufzustehen, war für mich als Musiker eine Katastrophe“, sagte er im
„NOZ“-Interview weiter. „Das Klosterleben ist ein sehr geregelter
Livestyle, du hast fixe Mahlzeiten, fixe Gebetszeiten, Studienzeiten
und Aufgaben. Über den Tag verteilt habe ich vier bis fünf Stunden
gebetet, davon die Hälfte in kompletter Stille. Andererseits habe ich
Philosophie und Theologie studiert. Daneben gab es manuelle
Tätigkeiten, ich habe zum Beispiel in der Töpferei gearbeitet. Als
ich für den Müll eingeteilt wurde, habe ich die Mülltrennung im
Kloster eingeführt.“

Seinen Eintritt ins Kloster führt Kelly auf eine Identitätskrise
zurück: „So wie Jesus sagte ‚Wer sich verliert, wird sich finden‘,
wollte ich meine wahre Identität finden, denn als Künstler läuft man
Gefahr, in Illusionen, Fantasien oder einem Image von sich selbst zu
leben. Wenn du in der Öffentlichkeit stehst, bilden sich die Leute
oft eine Meinung über dich, obwohl sie nur Bruchteile davon
mitkriegen, wer du wirklich bist. So entsteht ein Bild von dir in der
Welt da draußen und formt einen Erwartungsdruck. Ich wollte kein
‚Image‘, sondern mein wahres ‚Ich‘ entdecken, den Sinn des Lebens
finden und Gott näherkommen.“

Seine Kindheit als Mitglied der durch ganz Europa ziehenden Kelly
Family sieht Michael Patrick Kelly im Rückblick positiv: „Für mich
war das Leben unterwegs ein Abenteuer, für die älteren Geschwister
war es mehr harte Arbeit, sie trugen die Verantwortung. Auf der
Straße Musik zu machen ist nicht bequem. Es kann regnen, oder das
Ordnungsamt schickt die Polizei vorbei, es ist ein unstabiles Leben
und ein unstabiles Einkommen. Aber man hatte einen sehr starken
Zusammenhalt. Ich habe das Musizieren mit meinen Geschwistern
geliebt.“

Die Schule habe er damals durchaus vermisst, wie Kelly zugibt:
„Mein Vater war ein großer Befürworter von Hausunterricht. Ich habe
bis heute keinen Schulabschluss. Ich glaube, dass mir Schule für den
sozialen Umgang gutgetan hätte, damit man sich nicht immer im Kreis
dreht und lernt, beständige Freundschaften aufzubauen. Ich hatte
damals ja keine permanente Adresse, nicht einmal Brieffreundschaften
konnte ich richtig pflegen. Es wäre schön, Freunde zu haben, die man
von klein auf bis heute kennt. Ich weiß noch, wie ich immer auf das
Schulende gewartet habe, weil dann die Kinder aus dem Dorf oder wo
auch immer ich war zum Campingplatz kamen, um mit mir zu spielen.“

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

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